Praktikum in Tarragona, Spanien

Maxim
Chemie, TUD

Meine Erfahrungen bei der Suche der Praktikumseinrichtung und Bewerbung

Ich habe eine Empfehlung meines Professors an der TUD für den auswärtigen Professor Ruben Martín bekommen, da sich beide schon lange kannten. Da Tarragona, wo das zugehörige Institut liegt, eine Stadt mit perfekter Lage und mittlerer Größe ist, was für einen Erasmus-Aufenthalt besonders attraktiv ist, musste ich mich nicht lange entscheiden. 

Die Bewerbung verlief sehr glatt, Prof. Martín war sehr freundlich und offen in der ersten Kontaktaufnahme und nach der Rücksprache mit meinem Professor in Dresden kam auch schnell eine Zusage zum Praktikum. Meinen Wunschzeitraum konnte ich außerdem selber festlegen wie es mir am besten passte. In der Bewerbung selbst hatte ich nur meinen CV, eine Notenübersicht meiner bisherigen Prüfungen und das Motivationsschreiben in der Mail geschickt. Die Bürokratie bis zur Aufnahme in der Einrichtung des ICIQ ist vergleichweise aufwendig, aber dabei halfen die Personen in der Verwaltung sehr gut und waren für Rückfragen immer erreichbar.

Meine Erfahrungen bei der Wohnungssuche und Anreise

Da Tarragona (etwa 70 km südlich von Barcelona) keine zu große Metropole ist, ist auch die Wohnungssuche vergleichsweise einfach (anders als Barcelona) und auch die Mieten sind für eine Stadt dieser Größe (etwa 150.000 Einwohner) in Ordnung. Für ein WG-Zimmer zahlt man je nach persönlichem Anspruch und Lage zwischen 300€ und 450€, für separate kleine Apartments im Zentrum kann man aber auch schnell mal 700€ bis 900€ zahlen. Die Suche nach Wohnungen war für mich über erasmusplay.com am einfachsten, aber es gibt auch andere seriöse Anbieter wie flatio oder housinganywhere, wo gute Angebote zu finden waren. Mit der bekannteren Plattform idealista habe ich zumindest nicht so gute Erfahrung machen können.

Die Hinreise fand bei mir mit dem Zug statt, wobei ich zwei Zwischenstopps für je eine Nacht gemacht habe (in Mulhouse und Montpellier). Die Reisekosten waren dadurch für mich deutlich höher als wenn ich geflogen wäre, dafür habe ich die zwei Städte und viel von der Umgebung sehen können. Empfehlen würde ich trotzdem eher den direkten Flug aus Berlin nach Barcelona, da man sich so trotz green travel bis zu einige hundert Euro sparen kann (Flüge gibt es schon ab 110€ mit Gespäck). Die Verbindung von Barcelona nach Tarragona ist außerdem sehr gut ausgebaut und es gibt eine direkte Busverbindung vom Flughafen Barcelona ins Zentrum Tarragonas, die eine Stunde dauert.

Mein Fazit:

Obwohl ich viel Zeit im Labor verbracht habe, kam es mir vor wie der längste Sommerurlaub meines Lebens.

Meine Erfahrungen im Praktikum

Das ICIQ ist eine sehr moderne Einrichtung und bietet alles an technischer Ausstattung, wenn nicht noch mehr, was man auch aus Deutschland kennt. Die Gruppen (besonders auch die von Prof. Martín) sind sehr international, wodurch man viele sympathische Leute aus aller Welt kennenlernt. Die Kommunikation und Zusammenarbeit mit meinem betreuenden Postdoc war sehr gut und ich habe mich auch sehr eingebunden in den Arbeitskreis gefühlt. Ich hatte klare Aufgaben, die ich erledigen konnte (organische Synthese) und auch das Projekt meines Postdocs fand ich tatsächlich sehr spannend.

Ich sollte meinen Fortschritt in kleineren Subgroup meetings mit dem Prof und einmal auch im großen Gruppenseminar vorstellen, und ich konnte die gesamte Praktikumszeit im Labor arbeiten. Außerdem erhält man auch als Intern fast uneingeschränkten Zugang zu allen Analytikgeräten.

Zudem gibt es im ICIQ eine interne Mensa, aber auch eine 5 Minuten entfernte Unimensa. Beide sind für deutsche Univerhältnisse jedoch teuer (8 – 9€ für ein vollständiges Tagesmenü), weswegen ich mir allermeistens selbst etwas am Tag davor vorbereitet habe zum Mitnehmen (es gibt Mikrowellen zum warm machen).

Meine Erfahrungen mit Alltag und Freizeit vor Ort

Ich habe meist zwischen 9 und 10 Uhr im Labor angefangen, dafür kann man aber auch erwarten, nach hinten raus lange zu arbeiten. Mein Weg zur Uni war zu Fuß sehr gut machbar, und generell kommt man in der Stadt sehr gut mit dem Bus oder zu Fuß von einem Ort zum anderen. In Tarragona gibt es neben den vielen kulturellgeschichtlichen Gebäuden und Überresten altrömischer Zeiten (z. B. ein Amphitheater) einen traumhaft schönen Strand, eine sehr schöne Altstadt, und wenn man etwas mehr Zeit hat, kann man auch etwas aus der Stadt raus sehr sehenswerte Natur erkunden.

Außerdem erreicht man mit dem Regionalzug leicht die umliegenden Orte und natürlich auch Barcelona, wo ich zahlreiche Male war. Und wenn man mal mehr zusammenhängende freie Tage hat (oder übers Wochenende), lohnt es sich auch Valencia zu besuchen.

Es gibt viele schöne Cafes und gute Restaurants/Bars, wobei man sich die Tapas und den Wermut definitiv nicht entgehen lassen darf. Außerdem war ich mit Leuten aus meinem Arbeitskreis oder Freunden aus meiner Heimat, die mich besuchen kamen auch bouldern, am Strand beachen, Jetski fahren, einen Paellakurs in Barcelona machen oder einfach die schönen Strände an der Küste entlang wandern. Eins der vielen Highlights war für mich die Fußball-WM der Männer, die während meines Aufenthalts stattfand, und am Ende Spanien die WM gewinnen konnte. Obwohl ich viel Zeit im Labor verbracht habe, kam es mir vor wie der längste Sommerurlaub meines Lebens.

Mein Fazit & Tipps

Ich würde es jedem empfehlen, der das Meer liebt und heiße Sommer erträgt (ununterbrochene 31 °C bei bis zu 85% Luftfeuchte)! Man ist zwischen Juni und September ohne Pause am schwitzen, das sollte man nicht unterschätzen und vielleicht bei der Wohnungssuche auch auf Unterkünfte mit AC achten, ich habe es auch nur mit einem Ventilator ertragen, aber es war schon sehr grenzwertig) und die Offenheit der spanischen Kultur mag, einen Aufenthalt speziell in Tarragona SEHR empfehlen. Möchte man nicht zur heißesten Zeit des Jahres hier sein, kann ich mir auch vorstellen, dass es im Herbst bis Frühling hier sehr schön ist. Nur die meisten Festivitäten (von denen es sehr viele gibt) finden vermutlich im Sommer statt.

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