Praktikum in Kigala, Ruanda
Salome
Psychologie, TUD
Meine Erfahrungen bei der Suche der Praktikumseinrichtung und Bewerbung
Die Suche war für mich ein sehr langer Prozess, der Bewerbungsprozess noch länger. Bereits über ein Jahr vor dem Praktikum habe ich bereits nach möglichen Einsatzstellen im Ausland geschaut, über Internetseiten und bei verschiedenen Messeständen. Allerdings wurde meine Suche schnell eingegrenzt auf meine letzendliche Praktikumsstelle, da es schwierig war einen Praktikumsbetreuer zu finden, der die Anforderung der TU erfüllt (einen Master hat), sowie eine Stelle, bei der ich auf Englisch sinnvoll arbeiten kann. Ich habe meine Praktikumsstelle letzendlich über eine Partnerorganisation gefunden, die professionell Fachpraktika im Ausland vermittelt. Dort war der Bewerbungsprozess allerdings sehr aufwändig, da ich mich erst bei der Partnerorganisation mit verschiedenen Referenzen, inklusive Vorstellungsgespräch bewerben musste und anschließend nochmals bei der Praktikumsstelle in Ruanda. Der ganze Bewerbungsporzess hat dan ca. ein halbes Jahr gedauert.
Meine Erfahrungen bei der Wohnungssuche und Anreise
Die Anreise war sehr lang, aber unkompliziert. Sie wurde bei der Planung meines Fluges nur durch den Nah-Ost-Konflikt und die Flughafensperren etwas unsicherer. Deshalb habe ich mich entschieden, einen anderen Flug zu buchen, der direkt von Europa nach Afrika geflogen ist. Die Wohnungssuche war bei mir eher kurzfristig, so zwei Wochen vor Abflug. Allerdings gab es in Kigali sehr viele finanzierbare Angebote auf der Plattform Airbnb, die auch sehr schnell und einfach buchbar waren. Da Ruanda eine sehr spontane Kultur und kein sehr beliebtes Reiseziel ist, habe ich mir bei der Unterkunft aber auch nie Gedanken machen müssen, nichts bezahlbares mehr zu finden. Die erste Hälfte der Zeit kam ich bei einer einheimischen Gastfamilie unter, um die Kultur besser kennenzulernen. Da sie allerdings nur für die Hälfte meines Praktikums in Ruanda waren, bin ich anschließend in eine WG mit zwei anderen Frauen gezogen, wovon eine der beiden auch eine deutsche Studentin im Praktikum war. Die WG habe ich ebenfalls über Airbnb gefunden.
Was ich mitgenommen habe:
Durch das Praktikum in einer anderen Kultur habe ich sehr viele wertvolle Einblicke ... auch andere Werte und Lebensweisen bekommen.
Meine Erfahrungen im Praktikum
In dem Praktikum hatte ich die Möglichkeit, selbst sehr frei zu wählen, in welchen Bereichen ich mitarbeiten möchte. Außerdems durfte ich immer wieder auch mit verschiedenen Psychologen zusammenarbeiten oder Projekte in anderen Teilen des Landes von Prison Fellowship besuchen. Ich habe Einblicke in andere Therapieverfahren bekommen, die es so in Deutschland nicht gibt, da sie an die ruandische Kultur und Geschichte angepasst waren, aber von deren Ansätzen ich mir viel mit zurück genommen habe. Auch durfte ich an Therapiegruppen, Beratunsgesprächen und Schulungen teilnehmen, sowie in einem Forschungsprojekt und in der Verwaltung von Patientenakten und Berichterstattung mit unterstützen. Als besonders wertvoll habe ich den Austausch mit den Klienten von Prison Fellowship erlebt, die stets sehr offen berichteten, wie die Programme von Prison Fellowship sie unterstützt haben. Meiner Erfahrung war in der vielen Freiheiten, die ich hatte, was die Praktikumsgestaltung anging, aber auch viel Eigeninitiative erfordert, um diese sinnvoll wahrnehmen zu können.
Meine Erfahrungen mit Alltag und Freizeit vor Ort
Der Alltag die ersten Wochen war sehr anstrengend für mich, weil ich so viele neue Reize verarbeiten musste und auch neu lernen musste, wie Alltag in einer anderen Kultur funktioniert. Meine ersten Gasteltern waren aber sehr fürsorglich und haben mich auch in ihre Kultur eingeführt, mir traditionelles Essen vorgestellt, mich mit zu einer traditionellen Hochzeit genommen und mich traditionell eingekleidet. Mit meinen WG-Mitbewohnern habe ich mehr touristische Aktivitäten in der Stadt unternommen und auch einen Nationalpark besucht. In Kigali gibt es aber sehr viele Freizeitangebote, da dort einige Expats leben. Ich habe mich nach ein paar Wochen auch gut an den ruandischen Alltag gewöhnt, ein bisschen Kinyarwanda gelernt, um mit den Einheimischen besser zu kommunizieren, auf den Märkten eingekauft, bin viel mit den Mototaxis gefahren und habe auch Gefallen and dem einfacheren Lebensstil gefunden (Wäsche von Hand zu waschen oder öfters kein Storm oder fließendes Wasser mehr zu haben). Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich so in die Kultur eintauchen durfte.
Mein Fazit
Durch das Praktikum in einer anderen Kultur habe ich sehr viele wertvolle Einblicke in die psychologische Arbeit aber auch andere Werte und Lebensweisen bekommen. Besonders der Einblick in die Geschichte des Landes, sowie die persönlichen Geschichten der Menschen, denen ich dort begegnet bin, waren sehr ergreifend. Ich fand es aus psychologischer Sicht auch besonders erstaunlich zu sehen, wie der Wiederherstellungsprozess auf Landes- und persönlicher Ebene nach so einem Genozid gelingen kann. Allerdings wäre ein alleiniges Praktikum im Ausland in meinem Fall nicht besonders sinnvoll, da die psychologischen Vorgehensweisen teilweise sehr unterschiedliche zum deutschen System sind, deshalb würde ich für die Berufsvorbereitung ein weiteres Praktikum innerhalb von Deutschland auf jeden Fall empfehlen. Außerdem war ich sehr dankbar zusätzlich durch meine deutsche Partnerorganisation betreut und vorbereitet worden zu sein. So war ich auf Krisen im Ausland vorbereitet und auch dort nicht auf mich alleine gestellt, sondern hatte immer einen Ansprechpartner mit interkultureller Erfahrung.
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