Praktikum in Stellenbosch, Südafrika
Svenja
Chemie, TUD
Meine Erfahrungen bei der Suche der Praktikumseinrichtung und Bewerbung
Über eine Kooperation des Leibniz Instituts für Polymerforschung (IPF) Dresden mit der Stellenbosch Universität in Südafrika wurde ich ziemlich unkompliziert ohne formale Bewerbung dort angenommen. Ich war im Bereich der Polymerseparation tätig und wurde über die Kommunikation der IPF Arbeitsgruppe in die Arbeitsgruppe in Stellenbosch aufgenommen.
Meine Erfahrungen bei der Wohnungssuche und Anreise
Die Wohnungssuche in Stellenbosch war nicht einfach. Stellenbosch ist voll die Studistadt, es werden aber zu wenig Wohnheime und Zimmer für die Anzahl an Studis bereitgestellt. Stell Dich deshab auf eine recht hohe Miete und viele Absagen ein. Die klassischen Residencies bei Academia und Co. bieten meist nur Plätze für ein volles Semester oder Jahr an (ab November, Semesterbeginn ist jeweils Januar bzw. Juli). Ich habe etwa 3 Monate im Vorhinein mit der Suche angefangen und vor allem sehr viele Anfragen über Portale wie Property24.com gestellt. Die Stellenbosch Uni hat auch eine eigene Webseite mit Links und Tips. Am Ende bin ich dann recht zeitnah in einer privat vermieten 2er WG gelandet, recht weit im Norden von Stellenbosch (wenn möglich lieber im Süden suchen, da ist es sicherer), für 450€ im Monat. Ich hatte sehr Glück mit meinem Mitbeohner, denn da alles über eine Argentur vermittelt wurde, konnte ich ihn vorher nicht kennen lernen.
Zur Anreise: Ich bin über Nacht von Frankfurt nach Cape Town geflogen. Morgens wurde ich von einem ehrenamtlich tätigen Studi der Stellenbosch Uni am Flughafen abgeholt, das bietet die Uni auf Anfrage für Neuankömmlinge an (Kontakt auf der Webseite).
Das nehme ich mit:
In Stellenbosch lebt man bisschen in einer Bubble. Die Eindrücke waren trotzdem ziemlich bewegend und die gesamte kulturelle Erfahrung ist sehr wertvoll.
Meine Erfahrungen im Praktikum
Ich war im Polymer Science Gebäude tätig und war dort in einer sehr jungen, weiblichen und diversen Gruppe. Die hat mich super lieb willkommen geheißen und ich wurde über die gesamte Praktikumszeit sehr unterstützt. Das Gebäude ist direkt neben dem Neelsie, das “Student Centre”, wo man rund um die Uhr was zu essen bekommt. Ähnlich einer Mensa gibt es viele kleinere Theken, von fancy Salat Bowls für 100 Rand (5€), über Pizza, Omlette oder Burger zu einfach nur Reis mit Gemüse für 30R (1,50€). Im Neelsie findet man auch eine Apotheke, Schreibwahren und Geldautomaten etc. Die Bibliothek ist auf der anderen Seite der Neelsie, auf dem Platz und der Wiese davor kann man super entspannen. Die Bib selbst ist die größe unterirdische Bibliothek in Afrika und super modern. Wenn man möchte, kann man sie gut mit der SLUB vergleichen, in jedem Fall die dichte Belegung der Plätze wärend der Prüfungszeit.
Meine Erfahrungen mit Alltag und Freizeit vor Ort
Mir fiel es ziemlich leicht Menschen kennen zu lernen, vor allem durch die kleine Kletterhalle vor Ort. Stellenbosch hat ansonsten auch ziemlich viel weitere Unisportangebote: Rugby, Cricket, Laufen und Wassersport sind so die größten, die mir in den Kopf kommen. An Dienstagen war ich oft mit der Slackgruppe im Park. Über die kleine Klettercommunity war ich jedes Wochenende unterwegs und konnte neben Klettern auch Surfen und Radfahren gehen. Die Landschaft, auch direkt bei Stellenbosch (Jonkerhoek) und bei Cape Town (Table Mountain) ist super schön und ziemlich beeindruckend. Auch den Addo Elephant Park kann ich sehr emfehlen. Das Problem ist etwas, dass es in Südafrika praktisch keine Öffis gibt. Es macht viel aus, wenn man jemanden findet, der einen mit dem Auto mitnimmt bzw. eine Gruppe, der man sich anschließen kann. Von Stellenbosch selbst kann man im Süden auf den Stellenbosch Berg wandern gehen oder ein Weingut besuchen. Wenn es weiter weg ist, kann man sich einen Uber nehmen, aber das ist auf Dauer natürlich recht teuer. Den Uber habe ich vor allem innerhalb von Stellenbsoch genutzt, um nach dem Dunkelwerden nach Hausue zu kommen. Ich war im Winter da, da ging 18 Uhr die Sonne unter und ich musste in den Norden von Stellenbosch, wo es nicht empfohlen wird nachts alleine herumzulaufen. Im Süden (südlich vom Campus) ist es sicherer, in Norden ist die Kriminalitätsrate recht hoch. Wenn die Straße gut besucht ist bzw. Campus Security in der Nähe, dann ist es generell weniger ein Problem. Das mit den Öffis und die abendliche Zeitplanung war vermutlich die größte Einschränkung, im Verhältnis zu dem was ich von zu Hause kannte. Um mobil zu sein, hatte ich mir ein Fahrrad von einem Freund geliehen, welches man an der Uni in gated Fahrradboxen stellen konnte (Registrierung per Studentenausweis).
Mein Fazit & Tipps
Südafrika ist ein super spannendes Land mit vielen Kulturen, Sprachen und regionalen Unterschieden. Die große soziale Ungleichheit ist ziemlich offensichtlich, schon in Cape Town am Flughafen. In Stellenbosch lebt man bisschen in einer Bubble. Die Eindrücke waren trotzdem ziemlich bewegend und die gesamte kulturelle Erfahrung ist sehr wertvoll. So im Nachhinein hätte ich noch mehr an verschiedene Orte reisen sollen, für mehr kulturelle Einblicke mit mehr Stadttagen in Cape Town und auch Johannesburg. Ich glaube da hätte ich mir Mühe geben sollten, internationale Menschen zu finden die da auch Bock drauf haben. Ich hatte das Glück, viele Locals kennen zu lernen und deren Alltag mitzubekommen. Ich vermisse diese Menschen schon ziemlich und bin dankbar, dass ich die Möglichkeit für diese spannende Zeit hatte.
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