Skadi, Tampere

Praktikum in Tampere, Finnland

Skadi, Lehramt

Meine Erfahrungen bei der Suche der Praktikumseinrichtung und Bewerbung

Meine Praktikumseinrichtung, die Teacher Training School im Stadtteil Nekala, habe ich mithilfe von Leonardo-Sachsen gefunden. Der Verantwortliche für Erasmus+ und Outgoing der Technischen Universität Chemnitz hatte mir zuvor den Tipp gegeben, mal bei Leonardo-Sachsen nach einer Liste von Einrichtungen, in denen bereits Praktika stattgefunden haben, zu fragen. Meinen Wünschen entsprechend fragte ich nach Schulen in Finnland. Gegen Vorlage meiner Immatrikulationsbescheinigung erhielt ich von Leonardo-Sachsen zügig eine Übersicht über bereits bekannte Schulen. Aus dieser Liste suchte ich mir unter anderem die Teacher Training School in Tampere heraus und schrieb eine Mail an die Schulleiterin des Grundschulbereichs. Innerhalb von ein paar Tagen meldete sich meine zukünftige Mentorin mit einer Zusage für das Praktikum bei mir. Ein äußerst freundlicher und hilfsbereiter Austausch begann. Ohne Schwierigkeiten sprachen wir über meine Aufgaben sowie Wünsche für das Praktikum und organisierten die Unterzeichnung des Learning Agreements. Auch den Erasmus+-Bewerbungsprozess habe ich als unkompliziert und sehr organsiert wahrgenommen.

Meine Erfahrungen bei der Wohnungssuche und Anreise

Die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich ebenfalls äußerst unkompliziert. Noch bevor ich selbst begann, nach einer Wohnung zu suchen, wies mich meine Mentorin auf eine Möglichkeit hin. Sie erzählte mir von einem ihrer Kollegen und dessen Partnerin, die direkt neben der Schule wohnen und ein freies Zimmer haben, das sie schon ein paar Mal Praktikant*innen zur Verfügung gestellt haben. Meine Mentorin stellte den Kontakt zwischen ihrem Kollegen und mir her. Er und ich verstanden uns auf Anhieb sehr gut und wurden uns schnell einig, dass ich für den Zeitraum des Praktikums bei ihnen wohnen konnte. Alle weiteren Absprachen verliefen reibungslos und äußerst wertschätzend. Auch die Anreise verlief problemlos. Ich flog von Berlin aus nach Helsinki und nahm dann den Zug nach Tampere. Alles verlief nach Plan.

Skadi, Tampere 2

Was ich mitgenommen habe:

Es lohnt sich so sehr, die eigene Komfortzone zu verlassen!

Meine Erfahrungen beim Praktikum

Meine Erfahrungen im Praktikum waren durchweg positiv. Schon am ersten Tag wurde ich sowohl von meiner Mentorin als auch von vielen anderen Lehrkräften aufs Herzlichste begrüßt. Ich habe von Anfang an das Gefühl vermittelt bekommen, dass man sich freut, dass ich da bin und interessiert an mir sowie meiner Perspektive ist. Die gesamte Zeit hat sich für mich nach einem sehr warmen Willkommen angefühlt.
Während der viereinhalb Wochen Praktikum habe ich unterschiedlichste Klassen begleiten dürfen. Im Unterricht, bei Ausflügen, im Rahmen einer Musicalvorbereitung, während Veranstaltungen im Schullalltag (z.B. bei einer Talente-Show oder einer Tanz-Pause), … Ich durfte alle mich interessierenden Fächer hospitieren, im Unterrichtsalltag unterstützen, jederzeit Fragen stellen, mich im Unterrichten ausprobieren und auch mal in die Oberstufe hineinschnuppern. Dabei habe ich unfassbar viel über das finnische Bildungssystems und dessen pädagogisches Verständnis, Arten des Lehrens und Lernens, Methoden und das Miteinander im schulischen Kontext gelernt.
Das Schulgelände umfasst ein großes Schulgebäude, einen asphaltierten Pausenhof und ein kleines Wäldchen mit Spielplatz für die untersten Klassen. Da die Schule eine Teacher Training School ist, verfügt sie über äußerst viele Ressourcen, sowohl im materiellen als auch personellen Bereich. Etliche Kunst-, Handarbeits-, Musik- und Holzarbeitsräume, drei Sporthallen, mehrere Räume mit vollständig ausgestatteten Küchen, eine Mensa, eine Bibliothek und ein Auditorium gehören zur Ausstattung der Schule. Im Kontext dessen sollte man im Kopf behalten, dass dieser Schule als Teacher Training School besondere Ressourcen zur Verfügung stehen. In Gesprächen mit vielen Lehrkräften wurde deutlich, dass reguläre Schulen in Finnland mit deutlich weniger Ressourcen ausgestattet sind.

Meine Erfahrung mit Alltag und Freizeit vor Ort

Da ich direkt neben der Schule wohnen konnte, war mein Arbeitsweg selbstverständlich sehr kurz. Doch auch im Falle einer entfernteren Unterkunft sollte der Weg zur Schule kein Problem darstellen, da die Stadt Tampere über ein umfangreiches Bus- und Bahnnetz verfügt. Im Sommer sind zudem etliche Fahrradwege befahrbar. Öffentlich nutzbare Fahrräder können vielerorts günstig ausgeliehen und an anderen Stellen wieder abgestellt werden. Das Zentrum von Tampere ist vom Stadtteil Nekala aus innerhalb von zehn Minuten mit Bus oder Fahrrad zu erreichen.
Was Tampere meines Erachtens nach so besonders macht, ist Folgendes:

  • Da Tampere zwischen zwei sehr großen Seen liegt, gehen Stadt und Natur oft unmittelbar ineinander über. Diese Nähe und Verbindung sind meiner Meinung nach äußerst beeindruckend und erhöhen die Lebensqualität in dieser Stadt enorm. In Tampere ist es so leicht, in die Ruhe der Natur zu entfliehen und dennoch alle Vorteile einer Stadt genießen zu können!
  • Wegen seiner Industriegeschichte, den roten Backsteingebäuden und den hoch aufragenden Schornsteinen gilt Tampere als Manchester des Nordens. Die Atmosphäre einer Arbeiterstadt ist meiner Erfahrung nach deutlich spürbar und gibt der Stadt einen besonders individuellen Charme.
  • Tampere bietet ein umfassendes Kulturangebot. Man findet immer etwas!

 

Mein Fazit & Tipps

Abschließend kann ich nur sagen, dass die Zeit meines Praktikums unfassbar bereichernd für mich war und definitiv einen Schlüsselmoment in meiner persönlichen Entwicklung darstellt! Ich durfte sowohl beruflich als auch privat so viel lernen und habe das Gefühl, in dieser Zeit enorm gewachsen zu sein. Es lohnt sich so sehr, die eigene Komfortzone zu verlassen! Ich blicke mit einem Gefühl tiefer Dankbarkeit auf die Zeit zurück und strahle immer noch jedes Mal sowohl innerlich als auch äußerlich, wenn ich an das Praktikum und die Menschen denke, die ich in dieser Zeit kennen- und lieben lernen durfte. Die Menschen, denen ich in Finnland begegnet bin, waren alle wirklich sehr offen und freundlich. Außerdem sprechen viele sehr gutes Englisch, weshalb nicht zwingend Finnisch-Kenntnisse notwendig sind. Auch Tampere habe ich tief in mein Herz geschlossen. Modernes Großstadtflair verbindet sich mit historischem Charme; alte Fabrikgebäude, Hochhäuser und typisch finnische Holzhäuschen kreieren ein äußerst abwechslungsreiches Stadtbild; vielfältige, oft auch frei zugängliche Sportanlagen und Kulturangebote bieten die Möglichkeit einer breitgefächerten Freizeitgestaltung; Stadt und traumhafte Natur gehen oft beinahe unbemerkt ineinander über; eine ausgeprägte Saunakultur lädt zum Kennenlernen finnischer Gewohnheiten ein;… Meines Erachtens nach einfach ein Ort zum Verlieben. Ich empfehle außerdem allen, die im Bereich der Pädagogik tätig sind, sich wirklich mal vertieft mit dem finnischen Bildungssystem auseinanderzusetzen. Mich hat besonders das pädagogische Verständnis beeindruckt, das von Vertrauen in die Schüler*innen, in Eigenverantwortung und in den natürlichen Prozess des Lernens, von Fokus auf Stärken und Ressourcen, von Achtsamkeit und Wertschätzung im Umgang mit sich selbst und anderen sowie von den individuellen Bedürfnissen entsprechender Unterstützung geprägt ist. Ich danke allen, die zu dieser wundervollen Zeit beigetragen haben!

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